Was passiert mit einem Magneten bei hohen Temperaturen?

Ein Standard-Neodym-Magnet hält bis etwa 80 °C ohne dauerhaften Kraftverlust aus. Darüber verliert er dauerhaft Kraft; am Curie-Punkt (310 – 400 °C) ist er vollständig entmagnetisiert. Für Wärme gibt es H-, SH-, UH- und EH-Güten bis 200 °C und mehr.

Von Team Magnetenspecialist
3 Min. Lesezeit


Kurze Antwort: Ein Standard-Neodym-Magnet (Güte N) hält bis etwa 80 °C ohne dauerhaften Kraftverlust aus; N50 und N52 oft nur bis 60 – 70 °C. Bis zu dieser Grenze ist der Kraftverlust vorübergehend: etwa 0,11 bis 0,12 % pro Grad, und er kehrt zurück, wenn der Magnet abkühlt. Über der Grenze verliert der Magnet dauerhaft Kraft. Am Curie-Punkt, bei Neodym 310 bis 400 °C, ist er vollständig entmagnetisiert. Für warme Anwendungen gibt es Spezialgüten (H, SH, UH, EH) bis 200 °C und mehr.

Maximale Arbeitstemperatur pro Güte

Güte Max. Arbeitstemperatur (Richtwert) Beispiel
N (Standard) 80 °C (N50/N52: 60 – 70 °C) N35, N42, N48
M 100 °C N45M
H 120 °C N42H
SH 150 °C N42SH
UH 180 °C N35UH
EH 200 °C N35EH
AH 220 – 230 °C N33AH

Zum Vergleich: Samarium-Kobalt-Magnete (SmCo) halten 250 – 350 °C und Ferritmagnete bis ca. 250 °C aus, sind bei Raumtemperatur aber schwächer als Neodym.

Vorübergehender oder dauerhafter Kraftverlust?

  • Vorübergehend (reversibel): Unter der maximalen Arbeitstemperatur sinkt die Kraft um etwa 0,11 – 0,12 % pro °C. Ein Magnet, der bei 20 °C 10 kg hält, hält bei 60 °C etwa 9,5 kg. Nach dem Abkühlen ist er wieder genauso stark.
  • Dauerhaft (irreversibel): Über der maximalen Arbeitstemperatur geht ein Teil der Magnetisierung verloren. Nach dem Abkühlen bleibt der Magnet schwächer. Nur erneutes Magnetisieren stellt das wieder her.
  • Vollständig: Über dem Curie-Punkt verliert das Material seinen gesamten Magnetismus. Siehe Was ist der Curie-Punkt?

Warum ist ein flacher Magnet wärmeempfindlicher?

Die Temperaturgrenze gilt für einen Magneten in günstiger Form. Eine dünne Scheibe oder Platte (z. B. Ø20 x 2 mm) hat ein stärkeres inneres Gegenfeld als eine dicke (Ø10 x 10 mm) und verliert daher schon bei niedrigerer Temperatur dauerhaft Kraft. Auch ein frei in der Luft hängender Magnet ohne Stahl daran ist empfindlicher als ein Magnet auf Stahl oder in einem Stahltopf. Für warme Anwendungen wählen Sie also lieber einen dickeren Magneten oder einen Topfmagneten, oder eine höhere Temperaturklasse.

Wo wird es in der Praxis zu warm?

  • in oder neben Elektromotoren und Maschinen
  • hinter Lampen und Strahlern oder in einer Leuchte
  • an Heizkörpern und Heizungsrohren (meist 40 – 70 °C, also innerhalb der Grenze von N35 bis N48)
  • im Auto hinter der Windschutzscheibe im Sommer (kann 70 – 90 °C erreichen)
  • beim Schweißen, Löten, Pulverbeschichten oder im Ofen

Möchten Sie Magnete kleben? Lassen Sie den Kleber nicht mit einer Heißluftpistole über 80 °C aushärten. Mehr zur Befestigung lesen Sie in Wie montiert man einen Magneten?

Und bei Kälte?

Kälte ist kein Problem: Ein Neodym-Magnet wird bei niedriger Temperatur sogar etwas stärker (etwa 0,1 % pro Grad). Erst bei extrem niedrigen Temperaturen unter ca. −140 °C ändert sich das Verhalten von normalem NdFeB. Für den Außeneinsatz im Winter ist das nicht relevant.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich einen Neodym-Magneten an einem Heizkörper verwenden?

Ja. Ein Heizkörper wird meist nicht wärmer als 70 °C, und das hält ein Standard-Magnet N35 bis N48 aus. Siehe auch Heizkörperfolie mit Magneten befestigen.

Ist ein Magnet, der zu heiß war, kaputt?

Er ist nicht kaputt, aber schwächer. Wie viel, hängt davon ab, wie heiß und wie lange. Neu magnetisieren geht nur mit Spezialgeräten.

Darf ein Magnet in die Spülmaschine oder in kochendes Wasser?

Kochendes Wasser (100 °C) ist zu heiß für Standard-Neodym, und die Feuchtigkeit greift die Beschichtung an. Siehe Warum rosten Neodym-Magnete?

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